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Geschichtliche Zusammenhänge :

Europa ist nicht nur durch eine sehr mannigfaltige und manchmal dennoch gemeinsame Kultur und Geschichte charakterisiert, sondern Europa ist auch durch Grenzen geprägt. Aus einem bunten Mosaik historischer Landschaften, deren Wurzeln bis ins Mittelalter reichen, hat sich im 19. und 20. Jahrhundert die charakteristische Struktur europäischer Staaten entwickelt. Die meisten dieser Staaten bestehen heute noch.
Lediglich einige Staaten haben einen ursprünglichen Grenzverlauf, der bis heute unverändert geblieben ist, wie z. B. die Grenze zwischen Portugal und Spanien, die auch die älteste Landesgrenze in Europa in den letzten drei Jahrhunderten ist. In den Baltischen Staaten und auf dem Balkan trennt die Grenze manchmal Regionen und ethnische Gruppen, die eigentlich zusammengehören. Es entstanden so im Laufe der Jahrhunderte auch unnatürliche Grenzen, die von Angst vor militärischen Übergriffen heimgesucht wurden, was eine dünne Siedlungsstruktur in den Grenzregionen zu Folge hatte. Wirtschaft und Bevölkerung tendierten zum allmählichen Rückzug ins Landesinnere der Nationalstaaten. Verkehrswege verliefen aus militärischen Gründen oft nur parallel zur Grenze. In grenznahen Gebieten mit Naturressourcen, wie Kohle und Erz, hat sich bedeutende Industrie angesiedelt, die Wohlstand gebracht hat, was wiederum Ursache von Begehrlichkeiten auch bei Nachbarn gewesen war und zu Ressentiments und Kriegshandlungen geführt hat. Abgesehen von Ausnahmefällen haben sich die grenznahen Regionen eher zu peripheren strukturschwachen Gebieten mit eingeschränkten Verkehrsverbindungen entwickelt. Diese "Grenzbarrieren" sind durch natürliche Grenzen, wie Flüsse, Meere und Gebirge, verstärkt worden.

Aufgrund politischer Ideologien und der Bestrebungen einzelner Militärblöcke sind einige dieser Staatsgrenzen nach 1945 zu "undurchlässigen" Grenzen ("Eiserner Vorhang") geworden. Unterschiedliche Politik beiderseits der Grenze, vor allen Dingen in den Bereichen Rechtswesen, Verwaltung, Steuerwesen, Wirtschaft, Kultur und Soziales hat den Wandel der Staatsgrenzen zu tatsächlich spürbaren Barrieren zwischen Nationalstaaten vollzogen. Die Menschen in den grenznahen Regionen, die am meisten von den Folgen der historischen Konflikte berührt wurden, entwickelten gegenseitige Ängste und Vorurteile. Diese Verhältnisse haben die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Kontaktaufnahme negativ beeinflußt und erschwert.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen unmittelbar benachbarten grenznahen Regionen hat in Europa bereits eine langjährige Tradition. In einigen westeuropäischen Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit erst in den 80er Jahren dank weitreichender politischer Veränderungen, Einführung demokratischer Systeme und dank der Mitgliedschaft in der Europäischen Union möglich geworden. In den mittel- und osteuropäischen Ländern konnte ein vergleichbarer Prozeß erst nach 1989 begonnen werden.

Bereits in den 50er Jahren, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, haben sich Vertreter vieler europäischer grenznaher Regionen getroffen, um die Abschaffung von Grenzbarrieren und Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu erörtern. Der Grund dafür war vor allen Dingen das Verlangen nach Verbesserung des Lebensniveaus, nach dauerhafter Sicherung des Friedens, aber auch die Bemühung, die Grenzbarrieren, Einschränkungen und andere Faktoren abzuschaffen, die zur Trennung der Menschen und Institutionen in benachbarten Grenzregionen geführt haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Grenzbewohner (z. B. an der Deutsch-Französischen oder Deutsch-Niederländischen Grenze und in Skandinavischen Ländern) zu der Auffassung gekommen, daß - wenn man so leben will, wie die Bevölkerung im Inland - die negativen Einflüsse der Grenze eingeschränkt oder völlig behoben werden müssen. Bald haben sie jedoch feststellen müssen, daß sie wegen fehlender gesetzlicher und administrativer Kompetenzen auf der kommunalen/regionalen Ebene einen nur sehr bescheidenen Erfolg erreichen können. Die Folge war die Gründung von kommunalen/regionalen Verbänden auf beiden Seiten der Grenze nach dem jeweiligen nationalen Recht. Diese Verbände haben sich mit gemeinsamen Interessen befaßt und haben eine Optimierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit angestrebt. Die Verbände auf beiden Seiten der Grenze schlossen sich in der Folge häufig zu einem grenzüberschreitenden Dachverband zusammen ("Europäische Region" oder eine ähnliche Struktur). Um das Jahr 1960 haben die Verbände dauerhaft auf allen politischen und administrativen Ebenen Maßnahmen ergriffen, die zur Verbesserung der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lage der Grenzbewohner sowie zur Reduzierung oder Abschaffung der Grenzbarrieren geführt haben.

Es hat sich bald gezeigt, daß die Grenzbevölkerung vor Problemen steht, deren Lösung in die Kompetenzen der Nationalregierungen gehörten, z. B. in folgenden Bereichen:


Öffentliche Verwaltung und Planung, unterschiedliche Verwaltungsstrukturen, Raumplanung, Organisation und methodische Verfahren; Steuerwesen, Sozialversicherung, Bildung und Erziehung, Wettbewerb, Pendlerverkehr und Öffentlicher Dienst; Sprachausbildung und Anerkennung von Qualifikationen; Straßenbau, öffentliche Einrichtungen, Infrastruktur und Umwelt.
Probleme in diesen Bereichen haben oft zu fehlgeleiteten Investitionen auf beiden Seiten der Grenze und zu manchen Absurditäten im Alltag geführt.

Seit Anfang der 70er Jahre setzen grenznahe und grenzüberschreitende Regionen in zunehmendem Ausmaß ihre Politik mit Hilfe der "Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen" (AGEG) um, die 1971 gegründet wurde. Diese Dachorganisation hat enge Kontakte zum Europarat, zum Europäischen Parlament, zur Europäischen Kommission sowie mit Nationalregierungen geknüpft. Das Netz der grenznahen und grenzüberschreitenden Regionen wurde zur bedeutenden Kraft bei der Entfaltung der Zusammenarbeit an allen europäischen Grenzen, bei der europäischen Integration und bei der Entwicklung der europäischen Förderprogramme zu Gunsten der grenznahen Regionen in ganz Europa